Ein Rückblick

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Vor 2,5 Jahren war ich wegen eines MS-Schubes im KH und wollte nur 5-Tage Kortison.

 

Der Albtraum begann mit meinem Besuch in der Notaufnahme. Ich hatte eine Sehnerv Entzündung auf dem rechten Auge, konnte kaum noch was sehen.

 

Der Augenarzt war geschockt, nur noch 3% Sehkraft und die Pupille bewegte sich nicht einmal mehr.

 

Sofort ging es mit der Einweisung ins KH. In der Notaufnahme mußte ich Stunden warten bis ich dran war.

 

Eine Neurologin kam untersuchte mich und was dann kam, war für mich Schock pur.

 

Sie kramte meine ganzen Krankenhausberichte raus, schaute mich verschreckt an und sagte :“ Wissen Sie, dass im letzten MRT, ein Hirnaneurysma entdeckt wurde………??“

 

„Ähm, ja, der Neurologe in der MS-Ambulanz hatte es mir gesagt und ich habe deswegen einen Aufnahmetermin in der Klinik in 3 Wochen.“

 

„ Tja Frau Liers, sie gehen jetzt sofort ins Notfall-CT und dann sehen wir weiter.“

 

Gesagt, getan!!! Wieder unten in der Nptaufnahme schaute sie sich die Bilder an.

 

„Frau Liers, es ist so….. sie haben leider nicht nur MS, sondern auch das Hirnaneurysma. Sie gegen jetzt für 24 Stunden auf die Stroke Unit unsere Schlaganfallstation.“

 

Hääää??? Wie?? Wo?? Was??? Ich??? Falscher Film!!! Ich will nur Kortison.

 

Ich sprang von der Liege, rannte raus, brauchte dringend eine Zigarette……. Die Blicke im Rücken der Schwestern und Ärzte interessierten mich nicht!

 

Zigarette ran und schimpfend und hin und her rennend konnte ich nicht fassen was passierte.

 

Noch eine Zigarette!! Mein Exmann, der mit mir hingefahren war,  kam raus.

 

„Bist Du nicht ganz dicht!!! Die warten da schon auf Dich.“ „ Ist mir egal, ich wollte nur Kortison, die haben doch nicht mehr alle.“

 

Es nutzt nix, alles schimpfen und zetern war umsonst, ich mußte mich meinem Schicksal beugen.

 

Ab auf die Stroke Unit. Tolle Wurst….. mir gegenüber ein Mann, ohne Sichtschutz, der in die Flasche pinkelte, neben mir eine Schwerbehinderte, die, die ganze Nacht schrie………

 

An alle möglichen Monitore angeschlossen und die 24 Stunden rumbringen….. DANN Kortison……. Hahaha……

 

Am nächsten Tag kam der Oberarzt der Neurologie…… „ Es sieht gut aus, kein Schlaganfall. Wir fangen heute noch mit Kortison an……“ *freu*

 

„Wir machen noch ein MRT, dann kommen sie auf die Neurologie „ Wie schöööööönnnn!!!

 

Zimmer auf der Neurologie mit einer netten, alten Dame…… sehr schön!!!!

 

Zwei Stunden später, ich lag voller Zuversicht auf dem Bett kam der Arzt und der Albtraum ging weiter.

 

„Frau Liers, wir haben leider noch ein Hirnaneurysma entdeckt. Auf der anderen Seite, aber es sitzt wie das Andere leider auch völlig kompliziert. Wir können nicht ausschliessen, dass es gespritzt hat.

Packen Sie langsam Ihre Sachen, sie gehen auf die Intensivstation. Sie werden gleich abgeholt!!.

 

Er log….. er mußte lügen….. das konnte nicht sein!!! Was passierte hier???? ……..

 

Wo war der Typ, der jetzt rief. „Klappe, die Szene ist im Kasten.“ ?????

 

Im Flur wartete ich auf die Schwester, die mich auf die Intensivstation bringen sollte. Man das dauerte….. Doc lief vorbei….. Ich fragte ihn, ob ich dann noch eine rauchen könnte.

 

Fassungslos starrte er mich an:“ Sie gehen nirgends mehr hin, sie sind Intensivpatientin.“

 

„Ich lächelte ihn an:“ Einen Versuch war es wert.“

 

Auf ging es in die Intensivstation………. OMG…… Sie schlossen EKG, Blutdruckgerät, auch einen Katheder an,  und hauten mir ein Arterienkabel in den Arm, das erst nach viermaligem probieren saß….Ich schrie vor Schmerzen…

 

Auf der anderen Seite, zwei Zugänge für Medikamente……. OmG…….. ICH WILL NACH HAUSE!!!!

 

Vor lauter Kabelage war ich in der Bewegung eingeschränkt. Leben am Limit!!!

 

Drei Tage später hieß es dann….. ich durfte auf Normalstation……. Aber auf die Neurochirurgie.

 

Egal wohin…. Hauptsache raus aus dieser Hölle!!!

 

Neurochirurgie  4-Bett-Zimmer…… fast alle in meinem Alter und lustig wars……Aber nicht lange!!

 

Nachmittags kam die Ärztin und meinte, das wäre nix für mich. Ich hätte 2- Hirnaneurysmen und da ich zu temperamentvoll wäre, wäre es in diesem Zimmer nix für mich….. „ Sie kommen jetzt in ein 2-Bett-Zimmer zu einer alten, netten Dame….. sie dürfen die Station ohne Begleitung nicht mehr verlassen, keine aufregenden Telefonate, Ihren Thriller, den sie da mit haben lesen sie besser auch nicht und ihre Zimmertür bleibt Tag und Nacht auf…….

 

Hilfe, ich war im Knast……. Das konnte alles nicht mehr wahr sein!!!!!!

 

OP-Termin gab es noch nicht…….. vielleicht in 14 Tagen….. Schrei…… kreisch…….

 

Ich gab mich meinem Schicksal hin, außer, dass ich wütend war, über das was passierte und die Station sehr wohl alleine verließ!!!

 

Am 23.05.2013 war es endlich so weit…… Ich war um 9:00Uhr dran.

 

Die Scheiß-egal-Tablette ließ mich den OP nicht mehr sehen.

 

Irgendwann hörte ich die Stimme des Arztes :“ Frau Liers heben sie mal Ihren rechten Arm..“ Bitteschön, da war er!!! „und jetzt das rechte Bein.“ Flupsch da ist es!!!!.

 

„Jetzt den linken Arm.“ „Hääää ????, wenn ich den finde.“

„Das linke Bein.“ Welches Bein, verdammt noch mal??? Da war nix!!!

 

Von der Narkose bedröhnt schlief ich wieder ein…….. ein Pfleger stand die ganze Zeit bei mir…..

 

Mein linker Arm rutschte vom Körper……. Er nahm ihn auf…. Legte ihn mir auf den Bauch…..

 

Was war das??? Fühlte sich an wie ne tote Schlange, die er mir auf den Bauch legte…..

 

Ich realisierte was passiert sein musste…… „Wollen sie jemanden anrufen??? „ „Nein, ja Nein, Ja , meinen Mann.. ich wählte die Nummer

 

Der Anrufbeantworter sprang an ……. Ich konnte nichts sagen….. ich wimmerte nur………

 

Ich schlief wieder ein…. Der Pfleger kam, sagte:“ Ihre Tochter ist am Telefon.“

 

Saskia….. Tränen rannen mir übers Gesicht. „ Es ist schief gegangen, es ist schief gegangen.“, wimmerte ich.

 

Meine Tochter, die Krankenschwester ist reagierte sofort:“ Mama hattest Du einen Schlaganfall??“

 

„ Ja! Es ist schief gegangen.“

 

„Ich komme sofort.“

 

Da realisierte ich was passiert war. Mir wurde übel ,ich über gab mich!!

 

Der Pfleger säuberte mich und sagte meine Tochter wäre schon da……. Tränen rannen über mein Gesicht….. „Mama lächle mal. “Ich lächelte….. „Ist es schief??? “  Sie sagte „nein“ , doch ich wusste sie log.“

 

Die Nacht kam. Ich konnte mich kaum rühren, lag im Gitterbett, angeschlossen an allem möglichen, selbst drehen war durch die gelähmte linke Seite nicht möglich…… die Geräte piepten ständig Alarm… und ich wurde mit Medikamenten ruhig gestellt….

 

Mitten in der Nacht wachte ich auf…… starke Kopfschmerzen und Nackenschmerzen…….. ich rief um Hilfe…… die Geräte schlugen Vollalarm…..

 

Plötzlich drei Intensivpfleger/innen an meinem Bett….

 

Ich konnte nichts mehr sagen und machen….. aber ich hörte alles….

 

„Ich kann ihr spritzen was ich will, sie reagiert sofort und zu stark.“

 

„Spritz Ihr nicht soviel, sonst seilt sie uns ganz an.“

 

„Ruf Dr. X ….. er soll sofort kommen….“

 

Weiß nur noch dass ich dachte: „ Meine Kinder, meine Kinder.“..

Dann war ich weg!!!

 

Am nächsten Morgen…..der Doc kam….. „Frau Liers sie gehen gleich ins CT….. sie hatten heute Nacht noch einen Schlaganfall ….. wir hatten Sie schon im Not-Op angemeldet, um einen Venen Katheder legen ….. aber wie sie sehen brauchten sie ihn dann doch nicht.“

 

Ich wurde vorbereitet für das CT. Alle Geräte, die ich angeschlossen hatte, wurden auf mobil umgestellt und ans Bett befestigt….. der Albtraum nahm kein ende….

 

Im CT dann der nächste Schock…… „Kann die Patientin selbstständig auf die Liege??“

 

„Nein…. Die linke Seite ist gelähmt, sie muss aufs Rollbrett.“

 

Da wurde mir erst richtig bewusst ich bin ein Pflegefall……..die Tränen liefen leise, als das CT seine Arbeit aufnahm…….

 

Wieder auf der Intensivstation verweigerte ich jede Mitarbeit….. ich wollte leiden…..

 

Schimpfte mit der Intensivschwester und die Physiotherapeutin verschwand wieder so schnell wie sie gekommen war……Ich konnte die dummen Sprüche, dass ich ja Glück gehabt hatte, dass ich noch lebe, einfach nicht hören…

 

Die Visiten auf der Intensivstation waren nicht Mut machend aber ehrlich.

 

Man wisse nicht was zurück bleiben würde und man könne nur hoffen.

 

Zwei Tage später…… OMG meine Zehen bewegten sich…… *jubelfreuhüpf* ……Abends sogar schon der Fuß…

 

Ich lag im Bett und bewegte nur den Fuß …… es war einfach genial…..

 

Am nächsten Tag merkte ich dass ich das Knie wieder anziehen konnte… Ich nahm Schwung und übte das Bein über das rechte Knie zu kriegen….. Es klappte…. Immer und immer wieder…

 

Visite  :“ Wie geht es Ihnen??“ Freudestrahlend wie ein kleines Kind zeigte ich es mit dem Satz:“ Gucken Sie mal Herr Professor was ich schon kann.“

 

Er lächelte mich an!!!

 

Da war mein Kampfgeist ganz geweckt, wenn das ging , ging auch noch mehr….

 

Die Intensivschwester, meinte es gut und setzte mich in einen Mobilisation Stuhl, damit ich dort essen konnte.

 

Ich saß keine 2 Minuten in diesem Kinderstuhl für  Erwachsene, da bat ich sie mich da raus zu holen….. SOFORT.

 

„Wieso??“  „  Behinderter als in diesem Stuhl kann ich mich nicht fühlen. NEHMEN SIE MICH SOFORT Hier raus.“

 

„Die Nachtschwestern finden den Stuhl so toll und bequem,  da entspannen sie drin.“

„Ja sie müssen es auch nicht, die machen es freiwillig.“ Sagte ich. „ Aber mich setzen Sie hier rein, wie ein kleines Kind. Basta da bleibst Du sitzen. ICH WILL HIER RAUS….. Ich setze mich den ganzen Tag auf die Bettkante, aber nicht mehr in den Stuhl.“

 

Genau das tat ich….. meine linke Seite hielt mich noch gar nicht richtig, aber ich saß auf der Bettkante, wackelte wie ein Wackeldackel hin und her, aber ich schaffte es!!!!!

 

Der nächste Tag…….. der Intensivpfleger kam und wollte mich in den Stuhl setze,,,,, PUSTEKUCHEN!!!

 

Ich setzte mich mit seiner Hilfe auf die Bettkante ….. frühstückte so und blieb wieder sitzen……..

 

Ein paar später Stunden kam er und ein anderer Pfleger…. „Na Frau Liers wollen Sie mal mit unserer Hilfe versuchen zu stehen???!

 

JAJAJA!!!!!

 

Es dauerte eine Weile, aber mit der Stütze des Pflegers stand ich das erste Mal wieder auf eigenen Beinen…… Happy…….. Arm noch gelähmt und die Hälfte des Oberkörpers auch, aber ich stand!!!!

 

Am 5. Tag die frohe Botschaft, sie kommen wieder auf ihr Normalzimmer…… ab auf die Neurochirurgie…..

 

Was tat ich???? Ich stellte mich das erste mal alleine ans Bett und wackelte meine ersten Schritte…..

 

Es war kein Laufen, es war sich Mühe zu geben nicht dabei zu stürzen……

 

Nachmittags kam meine Mutter mit meiner Tochter…… „Sollen wir in die Cafeteria??“ fragte ich….

 

Wir gingen. Ich sah die Angst meiner Tochter, die mich bei jedem Schritt schon fallen sah…… aber ich fiel nicht!!!!

 

Auf dem Weg dahin trafen wir eine der Intensivschwestern

 

„Wie Frau Liers sie laufen schon….?“ „JA!“ „Das unglaublich das muß ich meinen Kollegen oben gleich erzählen….. .Aber Sie wollen auch das merkte man immer.“

 

„Ja wer will nicht??!!!“

 

Ein paar Tage später durfte ich für 2 Tage nach Hause, um meine Sachen für die Reha zu packen….

 

Der Arm war noch gelähmt und die linke Hälfte des Oberkörpers auch….. aber die Kriegerin in mir war wach.

 

Ein Jahr später:  Der Arm hat immer noch leichte Macken, aber sie werden ganz langsam besser. Feinmotorisch ist ein Fremdwort und auch die Koordination hat noch Macken. Der kleine Finger und der Ringfinger funktionieren nur halbherzig.

 

Aber ich kämpfe weiter, um jeden Millimeter. Ich wurde schließlich 2x geboren!!!

Die Multiple Sklerose fordert mit Schüben auch immer mal wieder Aufmerksamkeit.

Doch ich habe mich entschieden, trotz oder wegen all dem, die letzten Jahre meines Lebens zu den glücklichsten werden zu lassen.

Das 2. Hirn-Aneurysma wurde am 07.01.2014 erfolgreich, ohne Komplikationen geschlossen

©Manuela Liers

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Ein Kommentar zu „Ein Rückblick

    Deine Christine! sagte:
    13. August 2015 um 0:09

    Überraschung, Du bist nominiert 🙂
    https://deinechristine.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=637&action=edit
    Gruß, Deine Christine! 🙂

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