Jammern nutzt ja auch nix

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Der Termin, zur Besprechung, meiner beiden operierten Hirnaneurysmen war fällig.

 

Es war ein merkwürdiges Gefühl dort hin zu müssen.

Auf der einen Seite Angst, dass wieder etwas Neues auf mich zu kommt.

Auf der anderen Seite, die Hoffnung, dass sowieso alle OK ist. Schließlich fühlte ich mich recht gut.

 

Hatte aber vor Aufregung die ganze Nacht nicht geschlafen. Oder war es eine Vorahnung?!

 

Meine MS zickte mich an und schickte mir Symptome, wie bei einem schweren Schub –

Ja klar DIE NERVEN SPIELTEN VERRÜCKT

 

Ich hatte die neurochirurgische Sprechstunde im Krankenhaus erreicht uns sprach mir selbst Mut zu.

„Du wirst hier lachend wieder raus gehen.“

 

„Hallo Frau Liers, wir kennen uns ja.“ Lächelte mich der Doktor an.

Ich nahm Platz, vor ihm lag meine dicke Akte und die Bilder der Angiographie, die ich mitgebracht hatte. Er kramte den Bericht vom Radiologiezentrum heraus.

 

„ Ahja, es geht um beide Hirnaneurysmen , im Januar wurde das letzte ja geschlossen. Wie geht es Ihnen?“, lächelte der mich der Doktor an.

 

„Die OP habe ich gut überstanden und nichts zurückbehalten. Von der ersten und dem Schlaganfall danach habe ich allerdings immer noch was nachbehalten, aber damit kann ich . Ich lächelte zurück.

 

„Und Ihre MS?“

 

„Zickt immer wieder mit Schüben und ärgert mich, aber auch damit habe ich mich arrangiert.“

Sein Blick ging auf das Papier vor ihm. „Keine neuen Aneurysma zu sehen, aber der Radiologe hat eine hochgradige Stenose in der Hirnschlagader entdeckt. Ich werde das mal mit unserer Radiologin besprechen.“ Er griff zum Hörer.

 

Hääää??? Was ??? Nee Stenose??? Mein Hirn stellte tausend Fragen.

 

Ich lauschte dem Gespräch. Das klang nicht gut und trotzdem verstand ich nichts.

 

Er legte auf, sah mich an und sagte: „ Ich habe mit Frau Dr. X gesprochen, die sie ja auch kennen, sie war bei beiden Op´s dabei. Wir sind uns einig, dass das Risiko sie einer erneuten Angiographie auszusetzen zu groß ist, weil sie ja bei einer den Schlaganfall erlitten.“

 

Mein Kopf rauschte. In meinen Augen bildeten sich Tränen. Schnell wischte ich sie weg.

 

„Was heißt das jetzt alles für mich.?“

 

„ Wir glauben, dass das Risiko einer Angiographie für sie größer ist, dadurch sofort einen Schlaganfall zu erleiden weitaus größer ist, als in nächster Zeit durch die Stenose. Sie sollten ihre Blutverdünner weiter nehmen und in einem halben Jahr kommen sie wieder in die Sprechstunde und wir sehen weiter. Was meinen Sie?? „

 

Nicht heulen, dachte ich, fange jetzt bloß nicht an zu heulen. Doch leise Tränen liefen schon.

 

Ich schluckte:“ Also, wenn ich dieses Mal einen Schlaganfall bekommen würde, wäre die rechte Seite dieses Mal betroffen?? Und wie merke ich, wenn irgendwas mit dieser Stenose passiert??

 

„  Ja dieses Mal wäre die rechte Seite betroffen. Sie müssen jetzt sobald sie starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, alle Ausfälle aller Art auf der rechten Seite jetzt sofort ins Krankenhaus, um einen Schlaganfall ausschliessen zu können.“

 

„Das heißt , auch wenn ich glaube es handelt sich um einen MS-Schub.?“

 

„Ja es ist leider so.“

 

Das war doch irre. Das war verrückt und durfte doch nicht wahr sein.

 

Eigentlich wollte ich mit dem Bus nach Hause, aber ich wollte alleine sein. Keinem Menschen begegnen. Ich wollte weinen. ALLEINE.

 

So pflasterte ich den 20-minütigen Fußweg mit meinen Tränen und mit gedachten Geschimpfe, wie „ Fuck this day! „

 

Ich stand unter Schock! Ich wollte erstmal nur in Selbstmitleid baden und das tat ich auch.

 

Mein Freund fing mich auf:“ Wir schaffen es gemeinsam.“

 

Am nächsten Tag war der Schockzustand verschwunden, neuer Lebensmut, neue Energie und das Leben leben zu wollen, egal was ist durchflutete mich.

 

Mit dem Motto: Alles Jammern nutzt ja nicht, Du kannst das alles nicht mit jammern ändern und es macht es nur noch schlimmer, das Leben geht weiter.“ Lächelte mein Mund wieder und das Leben hatte mich wieder.

©Manuela Liers

 

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