„Du schaffst das schon“, statt „ DAS kannst Du nicht mehr.“

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Immer wieder stelle ich gerade in MS-Gruppen fest, dass Betroffene „klein“ gehalten werden.

 

Angehörige und Freunde, aber auch Betroffene reden ihnen oft ein „ Das kannst Du nicht mehr.“ „ Du bist doch krank.“ „Lass mich das lieber machen“. Sicherlich aus Angst und Hilfsbereitschaft, aber ich merke sehr oft, dass die Betroffenen dadurch auch unsicherer werden.

„Kann ich das überhaupt noch?“

 

Ich bin von Anbeginn meiner MS-Diagnose immer sehr eigenwillig gewesen und wollte mir selbst immer beweisen, was ich alles „ TROTZDEM“ noch kann.

 

Sicher vieles nicht mehr gelungen, aber wenn ich etwas schaffte, das mir niemand mehr zutraute, war ich umso stolzer und wollte das nächste Mal noch mehr schaffen. Ich habe auch gelernt „NEIN“ zu sagen und auch „ ICH WILL DAS ABER SELBST.“

 

„Ich schaff DAS schon.“

 

Als dann der Schlaganfall dazu kam und ich vom wieder laufen lernen, über selbstständig mein Essen wieder selbst zubereiten und Besteck zu benutzen, Knöpfe zu machen usw. wieder alles neu erlernen mußte, wußte ich wie selbstverständlich die Dinge vorher waren, aber auch mit wieviel Stolz mich jeder noch so kleine Erfolg machte und ich immer mehr schaffen wollte.

 

Natürlich erlebe ich auch genügend Mißerfolge. NA UND!!!! Gesunde etwa nicht??? Können die alles??? Schaffen die alles??? NEIN, auch vor meiner Erkrankung konnte ich ja auch nicht alles. Vieles war halt selbstverständlich. Heute muß ich mir ehemalige Selbstverständlichkeiten teilweilweise hart „erarbeiten.

 

„Aber ich schaff das schon.“

 

In der Reha lag ich „eigentlich“ auf der Pflegestation, da ich laut Ärzte durch meine noch gelähmte linke Seite Hilfe beim Duschen, Anziehen etc. brauchte. Ich habe NICHT EINMAL nach der Schwester geklingelt.

 

Das Duschen, waschen, anziehen war mit nur einer Hand ein Abenteuer und kostete Zeit und Kraft, aber ich hatte es ALLEINE geschafft, obwohl es mir niemand mehr zutraute.

 

„Ich schaffe das schon!“

 

War es wichtig, ob der BH falsch rum war??? NEIN, sah ja kein Anderer außer ich, aber ICH hatte ihn angezogen.

 

ICH hatte es geschafft.“

 

Beim Essen gab es keine Kompromisse, da hieß es von Anfang an „Fertigmacher“ und ich bekam mein Essen portionsgerecht für die Gabel und mundgerecht vor die Nase gesetzt.

 

Fast am Ende der Reha bereitete ich wieder mein erstes Brötchen alleine zu. Es sah fürchterlich zerdrückt und zerkrümelt aus, aber

 

„ ICH hatte es geschafft.“

 

Meinem Freund steht oft das Entsetzen in den Augen geschrieben, wenn er mich hantieren sieht und ich sehe auch an seinem Blick, dass es ihm schwer fällt, es mir nicht lieber aus der Hand zu reißen.

 

Er hat schnell verstanden, mich zwischendurch mal zu fragen, ob er mir helfen soll, aber er lässt mich dann auch machen, wenn ich es nicht will, dass er mir hilft.

 

Allerdings so Kleinigkeiten, wie Tüten öffnen, die übergebe ich ihm gerne.

 

„Das schafft er schon.“ – schmunzel.

©Manuela Liers

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